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   Hand-Feuer-Waffen der brandenburgisch-preussischen Armee vom Anfang des 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts   

Lexikon der Waffenkunde

Hand-Feuer-Waffen "Preussen" (vor 1700 bis 1806)


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Infanterie-Gewehre vor 1713

interner Link Hand-Feuer-Waffen aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen mit interner Link Steinschloss-Zündung. Die interner Link Gewehre wurden in relativ kleinen Auflagen, nach unterschiedlichsten Vorgaben und in variierenden interner Link Kalibern u.a. in den interner Link Büchsenmacher-Werkstätten der interner Link "Suhler Innung", in Nürnberg und spätestens ab 1708 auch in der "Gewehr-Fabrique" des flämischen Meisters Francois Pholien Henoul (siehe dazu interner Link "Henoul-Gewehre") im Fürst-Bistum Lüttich (heute Liège; Belgien) gefertigt.

Muskete vor 1722
"Henoul-Gewehre" um 1705 mit Spund-Bajonett, darüber Lunten-Berger (Montage)


Vorläufer: keine klassifizierbaren Angaben Nachfolger: lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1713

Ein typisches Gewehr-Modell für die brandenburgisch-preussische interner Link Infanterie auszumachen, dass in der Zeit des Kurfürsten interner Link Friedrich III. (1657 – 1713, besser bekannt als Friedrich I.; der erste König "in Preussen") als Standard für die interner Link Bewaffnung klassifiziert werden kann, ist nicht möglich: Sämtliche interner Link Feuer-Waffen wurden in dieser Epoche nach recht vagen Vorgaben oder nach gegebenem Angebot in verhältnismäßig geringer Auflage in kleinen Manufakturen gefertigt, gekauft oder von Zwischen-Händlern angeboten, die sich auf die interner Link Ausrüstung der interner Link Armeen spezialisiert hatten. In der Regel wurden diese Kaufleute vom jeweiligen interner Link Inhaber eines interner Link Regiments beauftragt, eine bestimmte Anzahl von interner Link Waffen zu einem vorher fixierten Preis zu beschaffen (siehe dazu interner Link Kompanie-Wirtschaft). Ihren "Schnitt" machten diese Kaufleute mit der Handels-Spanne, die zwischen dem mit Rabatten verbundenen Ankauf der Gewehre "en gros" vor Ort und dem Verkauf der Waffen an den Auftrag-Geber auszuhandeln war. Der interne Handel unter den einzelnen Regiments-Inhabern, regelmäßige Nach- und Verkäufe gebrauchter oder neuwertiger Stücke hatten jedoch zur Folge, dass die interner Link Arsenale in den interner Link Festungen und die Depots der Regimenter alsbald mit einem Durcheinander verschiedenster Waffen, Typen und Kaliber strotzten. Für Reparaturen bzw. Instand-Setzungen griffen die ansässigen Uhrmacher oder die regiments-eigenen Schlosser auf einen Fundus von Ersatz-Teilen unterschiedlichster Modelle zurück, was das währende Durcheinander noch mehrte. Auch musste für beinahe jede Muskete die entsprechende interner Link Munition von den Feuerwerkern maßgefertigt werden. Missstände, die erst interner Link Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740, besser bekannt als der "Soldatenkönig") mittels Verfügung einheitlicher Vorgaben im Jahr 1713 einzudämmen suchte.

Bis dahin kamen Waffen im wahrsten Sinne aus "aller Herren Länder" - vorzugsweise aus den 1670 gegründeten und zwischenzeitlich etablierten Waffen-Schmieden des Meisters Henoul im Fürst-Bistum von Lüttich (heute Liège; Belgien), gefolgt von den talentierten Werk-Stätten der "Suhler Innung" und den Maastrichter Manufakturen von Jean Jacob Behr und Jan Krans. Umstände, die eine eindeutige Bestimmung bzw. Klassifizierung und dementsprechend historisch-korrekte Zuordnung von möglichen bzw. erklärten "Original-Waffen" der frühen interner Link brandenburgisch-preussischen Armee so gut wie unmöglich machen.

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Abmessungen, Angaben und Beschreibungen zu Modellen aus dieser Zeit variieren auf Grund der Vielzahl von Typen in der Art, dass vergleichende Daten hier zu weit führen würden.
Hersteller-Angaben
Entwickler: diverse
Hersteller (Manufakturen): diverse
Produktionszeit: bis 1713
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: europa-weit

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Gewehre)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 2 bis 3 Schuss pro Minute
Typ: Infanterie-Gewehr
Modell: diverse

technische Angaben
Gesamt-Länge: um 1.500 bis 1.800 mm
Lauf-Länge: um 1.000 bis 1.500 mm
Lauf-Befestigung: Stifte und/oder Ringe
Kaliber: zwischen 15 und 20 mm
Gewicht: zwischen 4 bis 6 kg

Ansichts-Exemplare
Sammlung: externer Link "Livrustkammaren"; Stockholm, Schweden
externer Link Burg Forchtenstein; Burgenland; Österreich
externer Link Kreismuseum Fürstenwalde


Schloss M 1700
Detail-Ansicht: Steinschloss einer zu Lüttich gefertigten Muskete



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Infanterie-Gewehr M 1713 (s.g. "Henoul-Flinten")

interner Link Hand-Feuer-Waffe aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen mit interner Link Steinschloss-Zündung. Die interner Link Gewehre wurden serienmäßig in der Gewehr-Fabrique des flämischen Meisters Francois Pholien Henoul (siehe dazu interner Link "Henoul-Gewehre") im Fürst-Bistum Lüttich (heute Liège, Belgien) gefertigt und neben Preussen u.a. auch nach Frankreich und Spanien, in die Republik der Vereinigten Niederlande oder nach Schweden verkauft.

Infanteriegewehr M/1713
"Henoul-Flinte", gefertigt vom "Besten schwedischen Stahl" (Montage; nicht original der eiserne Ladestock, der erst ab 1718 eingeführt wurde)


Vorläufer: lokaler Link diverse Typen und Modelle vor 1713
Nachfolger: lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1723

Seit Ende des 17. Jahrhunderts bezog die interner Link brandenburgisch-preussische Armee interner Link Feuer-Waffen bevorzugt aus den etablierten belgisch-niederländischen Büchsenmacher-Werkstätten in Namur, Maastricht und dem nahen Lüttich (heute Liège; Belgien). Besonders ausgeprägte Handels-Beziehungen bestanden spätestens seit 1708 zu dem namhaften flämischen Meister Francois Pholien Henoul im Fürst-Bistum Lüttich. Ab 1713 - und somit gleich nach dem Regierungs-Antritt Königs interner Link Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740, besser bekannt als der "Soldatenkönig") - wurde ein Vertrag ausgehandelt, der das sogenannte, jedoch nur in wenigen Details beschriebene interner Link "Henoul-Gewehre" zur interner Link Standard-Muskete für die preussische interner Link Infanterie erklärte. Vertraglich vereinbart wurde, dass Lauf und Schwanzschraube, Kolbenblech, Schloss samt Feder aus "... besten schwedischen Stahl... " gefertigt werden sollten, für die s.g. Spitz-Röhrchen und das interner Link Daumenblech gewöhnlicher Stahl genügen sollte. Der Schaft aus naturbelassenem Nussbaum-Holz, mit großer Wahrscheinlichkeit geölt und poliert, was die ziegelrote Färbung erklärt (die dunkle Beizung der Musketen mit Eisenschwärze kam erst unter König interner Link Friedrich II. auf). Auch mit großer Wahrscheinlichkeit kamen hier erstmals die per Reskript vom 16. Januar 1713 bestimmten interner Link "Berliner Maße" zur Anwendung: Die nach dem metrischen System (siehe dazu externer Link WIKIPEDIA) gemessenen Längen eines Gewehrs in Gänze und seines Laufes als wichtigstes Bauteil weisen nach der Umrechnung in das damals gültige Zoll- bzw. Fuß-System in der Art erstaunlich "runde" Ergebnisse auf, dass ein Zufall nahezu ausgeschlossen werden kann, zumal dieses Gewehr-Modell Maßstab und Vorlage für eine Reihe von Folge-Modellen wurde, deren Maße wiederum von diesem Original abgeleitet werden können (wobei minimale Toleranzen einerseits produktions-, andererseits gebrauchs-bedingt zu sehen sind).

Die nach vorgegebenen Muster serienmäßig in den 1670 gegründeten "Henoul-Fabriken" gefertigten Musketen, die neben Preussen mit kleineren Änderungen wohl nach Kunden-Wunsch u.a. auch nach Frankreich und Spanien, in die Republik der Vereinigten Niederlande und bis hinauf nach Schweden verkauft wurden, waren für damalige Verhältnisse von durchgehend guter Qualität, in wichtigen Bauteilen weitestgehend kompatibel, was Ersatz und Reparatur erheblich vereinfachten, und im alltäglichen Dienst oder im Feld robust und pflegeleicht. Umstände, die König Friedrich Wilhelm I. dazu bewogen haben mochten, den interner Link Büchsenmacher am 25. April 1713 mit dem Titel "Grand armourier de Sa Majesté le Roy de Prusse" (Großer Waffenmeister Seiner Majestät des Königs von Preussen) auszuzeichnen.

Preussen bezog das vorgestellte Modell bis zum Jahr 1722 aus Lüttich. Ab dem Jahr 1723 (und so mit der Inbetrieb-Nahme der interner Link "Königlichen Preussischen Gewehrfabrique" an den Standorten Potsdam und Spandau) begann dann die Fertigung des in beinahe allen Teilen und Maßen baugleichen lokaler Link Infanterie-Gewehrs M/1723; dem ersten ausschließlich in Brandenburg-Preussen produzierten Armee-Gewehr.

Fraglich ist die in verschiedenen Quellen dargebrachte Auffassung, dass das Henoul-Gewehr in Anlehnung an interner Link französische Musketen gefertigt wurde: Denn selbst wenn man die ab 1690 in größeren Auflagen und verschiedenen Modell-Reihen für die überwiegend in Kanada operierenden "Compagnies franches de la Marine" (siehe dazu externer Link WIKIPEDIA) bzw. deren Verbündete gefertigten Gewehre des s.g. interner Link "Fusil de Chasse Tulle" betrachtet, kann erst mit dem (serienmäßig in der 1675 gegründeten interner Link "Manufacture d'armes de Charleville" hergestellten) französischen interner Link Infanterie-Gewehr M/1717 von einer standardisierten Fertigung gesprochen werden. Darüber hinaus weisen beide Gewehre mit ihren typisch-geschwungenen Kolben objektiv wenig Ähnlichkeit mit der relativ geraden Schäftung der Lütticher Gewehre dieser Zeit auf.


Gravur HENOUL
Detail-Ansicht: Gravur des Büchsenmachers Francois Pholien Henoul auf dem Schloss eines zu Lüttich gefertigten Infanterie-Gewehrs vom Modell 1713
(Mit freundlichem Dank, Herrn J. Laschinger, Bayreuth)

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Hersteller-Angaben
Entwickler: "Fabrique Francois Pholien Henoul"
Fabrik (Gravur): 'HENOUL'
Hersteller (Gravur): Francois Pholien Henoul 'HENOUL'
Produktionszeit: 1713 bis 1722
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: Preussen u.a.

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Gewehre)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 2 bis 3 Schuss pro Minute
Typ: Infanterie-Gewehr
Modell: M/1713
Die folgenden Angaben sind Orientierungs-Werte, die je nach Einzel-Stück erheblich schwanken können (Angaben in Klammern benennen entweder Mittel-Werte verfügbarer Exponate oder beschreiben explizit das hier vorgestellte Beispiel). Die angeführten alten Maß-Angaben sind im Eintrag interner Link Maße und Einheiten erklärt...
technische Angaben
Gesamt-Länge: etwa 60,0 Berliner Zoll (156,0 cm)
Lauf-Länge: etwa 45,5 Berliner Zoll (117,5 cm)
Lauf-Befestigung: Stifte
Kaliber: (20,0 mm)
Kugel-Durchmesser: keine Angaben
Gewicht: ca. 5 kg
Schlossblech-Länge: etwa 180 mm
Schaft: Nussbaum-Vollschaft
Kimme: Nein
Korn (Messing): etwa 10 cm hinter der Lauf-Mündung
Modifikation: nicht bekannt

Ansichts-Exemplar
Sammlung: externer Link Armee-Museum Plassenburg; Kulmbach

Schloss M 1713
Detail-Ansicht: Steinschloss des Modells 1713



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Infanterie-Gewehr M 1723 (... auch Gewehr "lütticher Art" genannt)

interner Link Hand-Feuer-Waffe aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen mit interner Link Steinschloss-Zündung. Das erste in Brandenburg-Preussen serienmäßig gefertigte interner Link Gewehr für die interner Link Infanterie (siehe interner Link "Königliche Preussische Gewehrfabrique"). Auf der Basis dieses Modells wurde im Jahr 1726 das lokaler Link Dragoner-Gewehr M 1726 eingeführt.

Infanteriegewehr M/1723
Infanterie-Gewehr Modell 1723; u.r.: s.g. interner Link "Daumenblech" mit den Initialen "FWR", dem Monogram des preussischen Königs interner Link Friedrich Wilhelm I., dass am Kolben-Hals von Gewehren oder Pistolen eingelassen war und i.d.R. bei Übernahme der Waffe vom nachfolgenden Regenten durch dessen Signum ersetzt wurde (Montage).


Vorläufer (Vorlage):
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1713
Modifikation:
lokaler Link Kavallerie-Karabiner Modell 1726
Nachfolger:
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1723/40


Die interner Link Muskete vom Modell 1723 ist die preussische "Raub-Kopie" der s.g. lokaler Link "Henoul-Flinte", der ersten seriell in Brandenburg gefertigten interner Link Feuer-Waffe für die preussische interner Link Infanterie.

Noch während seiner "Regentschaft" auf dem selbst geschaffenen Mustergut von Wusterhausen bei Berlin (siehe dazu externer Link WIKIPEDIA) hatte der bald für seinen Geiz berühmte interner Link Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740, besser bekannt als der "Soldatenkönig") zuschauen müssen, wie unzählige der vereinnahmten Steuer-Taler in Folge der kostspieligen und gleichsam zwingend notwendigen Aufrüstungen des preussischen interner Link Heeres außer Landes rollten. Und was auch immer den umtriebigen, für seine "direkte Art" gefürchteten Monarchen bewogen haben mag, den wallonischen interner Link Büchsenmacher-Meister Francois Pholien Henoul am 25. April 1713 und somit genau zwei Monate nach seinem Regierungs-Antritt am 25. Februar 1713 mit dem Titel "Grand armourier de Sa Majesté le Roy de Prusse" (Großer Waffenmeister Seiner Majestät des Königs von Preussen) zu ehren – es muss der Beginn einer Freundschaft gewesen sein.

Henoul war der Besitzer einer von (seinem Vater?) Guillaume Henoul (auch Henouille) im Jahr 1670 gegründeten und inzwischen europaweit bekannten Gewehr-Fabrik mit Standorten in Namur und im Fürst-Bistum von Lüttich; mit Handels-Beziehungen von Spanien bis Russland, Schweden, Frankreich und Italien. Auch Preussen kaufte hier spätestens seit 1708 tausende interner Link Pistolen und interner Link Gewehre aller Art. Als dann um das Jahr 1717 die für ihren Geschäftssinn gerühmten Potsdamer Bankiers und als offizielle Lieferanten der interner Link preussische Armee bekannten Kaufmänner David Splittgerber und Gottfried Adolph Daum an ihren Regenten herantraten und ihm die Idee für eine interner Link "Königliche Preussische Gewehrfabrique" vorstellten, erkannte der stets wirtschaftlich kalkulierende König sofort die ihm hier entstehenden Vorteile: Nicht nur, dass er die für sein stetig wachsendes Heer dringend benötigten interner Link Waffen im heimatlichen Preussen herstellen lassen konnte und damit dafür Sorge trug, dass das Geld im Lande blieb und sein kleines aber auf Expansion gerichtetes Reich nicht in die Abhängigkeit der Gunst seiner Nachbarn geriet, vielmehr bot sich ihm mit einer eigenen Manufaktur auch die Gelegenheit, einheitliche bzw. in einzelnen Teilen kompatible und damit kostengünstigere Waffen produzieren und diese bei Bedarf auch zeit- und ortsnah reparieren zu können. Vor allem aber lockten die Gewinne, die mit dem lukrativen Handel und Export von Waffen zu erzielen waren. Als Standorte wurden Spandau und Potsdam ausgemacht.

Die nächsten Jahre vergingen mit dem Bau der Gebäude, der Beschaffung nötiger Werkzeuge und der Einrichtung der Werkstätten, in der auch interner Link Blank-Waffen gefertigt werden sollten. Da für sämtliche Etappen der Sach-Verstand professioneller Büchsenmacher erforderlich war, lag es nahe, dieses Wissen dort "einzukaufen", wo die Anfertigung hochwertiger Waffen langjährige Tradition hatte: Infolge der annehmbar innigen Verhältnisse zwischen dem preussischen König und Meister Henoul konnte im Jahr 1721 Philipp Henoul, Sohn des Waffenmeisters, bewogen werden, ab 1721 in Danzig (heute Gdańsk; Polen) -, dann ab 1722 in Potsdam und Spandau die Planung, Einrichtung und schließlich auch in der Position eines Faktors (Werk-Meisters) die Leitung der Produktion der Rüstungs-Betriebe zu übernehmen. Unter seiner Führung arbeiteten allein am Standort Spandau ab 1722 einhunderteinundsiebzig in Lüttich geworbene Meister und Gesellen, die vom König neben einer katholischen Kirche samt zugehörigen Pfarrer und eigenen (eilends errichtete) Wohnhäusern samt Öfen und Obst-Gärten umfangreiche Privilegien erhielten.

Am 31. März 1722 unterzeichnete der König mit seinen Handels-Partnern Splittgerber und Daum einen Kooperations-Vertrag. Kaum ein Jahr später wurden die ersten Musketen des Modells 1723 für einen Stück-Preis von sechs Talern und neunzehn Groschen an die Truppe ausgeliefert; s.g. "Gewehre für Wach-Dienste", deren Schäfte aus Buche oder Ahorn gefertigt wurden, kosteten sechs Talern und sieben Groschen.

Bemerkenswert ist, dass die interner Link Maße der lütticher Modelle weitestgehend erhalten blieben, mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 1740 auch das "königlich-französische" interner Link Kaliber-Maß übernommen wurde, einzig das Schloss-Blech etwas kürzer zum Original gefertigt wurde und an Stelle der eisernen Beschläge von Kolben und Mündung sowie der Spitz-Röhrchen Teile aus Messing Verwendung fanden, die anfänglich drei-, dann acht-kantig geformt waren. Eine erste innovative Verbesserung war der ab 1718/19 stück-weise eingeführte und ab 1730 zum Standard gehörende eiserne interner Link Ladestock, dessen Erfindung dem Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau (der "Alte Dessauer", der als interner Link General im preussischen Dienst stand; siehe dazu WIKIPEDIA) zugeschrieben wird, in den sächsischen Manufakturen (siehe dazu interner Link Suhler Innung) jedoch schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts verbreitet war.

Zwischen 1724 bis 1731 produzierte die neu gegründete Gewehr-Fabrik jährlich rund sechstausend Infanterie-Gewehre. Auf der Basis des Infanterie-Modells wurde um 1726 noch eine kürzere und damit leichtere Version entwickelt und gefertigt, die als lokaler Link Dragoner-Gewehr Modell 1726 eingeführt wurde ( interner Link Dragoner zählten damals zur Infanterie). Im Jahr 1740 wurden die verausgabten Gewehre dann auf Order des Königs interner Link Friedrich II. (1712 - 1786, besser bekannt als der "Große König") um etwa zehn bis elf Zentimeter gekürzt (siehe dazu interner Link Infanterie-Gewehr M/1723/40); die neuen Stücke (siehe dazu die s.g. interner Link "Kuhfuß-Muskete" vom Modell 1740) von Beginn an kürzer gefertigt.

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Hersteller-Angaben
Entwickler: "Fabrique Francois Pholien Henoul"
Fabrik (Gravur): Potsdam 'POTSDAMMAGAZ'
Hersteller (Gravuren): Splittgerber und Daum 'S&D'
Produktionszeit: 1723 bis 1740
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: Preussen

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Gewehre)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 2 bis 3 Schuss pro Minute
Typ: Infanterie-Gewehr
Modell: M/1723
Die folgenden Angaben sind Orientierungs-Werte, die je nach Einzel-Stück erheblich schwanken können (Angaben in Klammern benennen entweder Mittel-Werte verfügbarer Exponate oder beschreiben explizit das hier vorgestellte Beispiel). Die angeführten alten Maß-Angaben sind im Eintrag interner Link Maße und Einheiten erklärt...
technische Angaben
Gesamt-Länge: etwa 60,0 Berliner Zoll (1.547,0 mm)
Lauf-Länge: etwa 44,5 Berliner Zoll (1.147,0 mm)
Lauf-Befestigung: Stifte
Kaliber: 0,62 Pariser Zoll (16,8 mm)
Kugel-Durchmesser: 0,60 Pariser Zoll (16,2 mm)
Gewicht: 4 bis 6 kg (rund 4.800,0 g)
Schlossblech-Länge: 178 mm
Schaft: Nussbaum-Vollschaft
Kimme: Nein
Korn (Messing): etwa 10 cm hinter der Lauf-Mündung
Modifikation: lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1723/40
Adaptation (M 1723/40): Lauf um 36 Berl. Linien (ca. 113 mm) gekürzt

Ansichts-Exemplar
Sammlung: externer Link Wehrgeschichtliches Museum Rastatt

Schloss M 1723
Detail-Ansicht: Steinschloss des Modells 1723



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Kavallerie-Karabiner M 1726 (... auch "Dragoner-Gewehr" genannt)

interner Link Hand-Feuer-Waffe aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen, mit interner Link Steinschloss-Zündung. Das erste in Brandenburg-Preussen serienmäßig gefertigte interner Link Gewehr für die interner Link Kavallerie (siehe interner Link "Königliche Preussische Gewehrfabrique"), das auf der Basis des lokaler Link Infanterie-Gewehrs Modell 1723 gefertigt wurde.

Kavalleriegewehr M/1726
Kavallerie-Gewehr Modell 1726, u.l.: s.g. interner Link "Daumenblech" mit den Initialen "FWR", dem Monogram des preussischen Königs interner Link Friedrich Wilhelm I., dass am Kolben-Hals von Gewehren oder Pistolen eingelassen war und i.d.R. bei Übernahme der Waffe vom nachfolgenden Regenten durch dessen Signum ersetzt wurde (Montage).


Vorläufer (Basis-Modell):
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1723
Modifikation:
lokaler Link Kavallerie-Karabiner Modell 1731
Nachfolger:
lokaler Link Kavallerie-Karabiner Modell 1787

In den Jahren vor der Inbetrieb-Nahme der interner Link "Königlichen Preussischeen Gewehrfabrique" bezog die preussische interner Link Kavallerie beinahe sämtliche benötigten interner Link Karabiner und interner Link Pistolen mit großer Wahrscheinlichkeit überwiegend aus den angestammten Werk-Stätten des lütticher interner Link Büchsenmacher-Meisters Francois Pholien Henoul (wobei jedoch bislang keine originalen Stücke ausgemacht werden konnten).

Auf Basis des lokaler Link Infanterie-Gewehrs M 1723 begannen dann die königlichen Waffen-Fabriken in Spandau und Potsdam ab dem Jahr 1726 mit der Produktion einer kürzeren und damit leichteren Version für die interner Link Dragoner, die zur berittenen interner Link Infanterie gezählt wurden (Dragoner sind halb Mensch, halb Vieh - zu Pferd gesetzte Infanterie). Neben der Möglichkeit, ein interner Link Bajonett aufpflanzen zu können, war das Dragoner-Gewehr eines der ersten Modelle, das zu Pferd nicht mehr am Riemen über der Schulter bzw. quer über dem Rücken sondern mittels einer "Stange" und eines Karabiner-Hakens am Bandelier (siehe dazu interner Link Trageweise) getragen und zu Pferd bzw. am Bandelier eingehangen auch bedient werden konnte. Entgegen der französischen Trageweise führte die preussische Kavallerie (siehe dazu interner Link preussische Armee) Gewehre bzw. Karabiner am interner Link Bandelier bis zur Einführung des lokaler Link Karabiners Modell 1787 jedoch mit dem Kolben nach oben am Pferd. Die Mündung steckte dabei in einem kleinen Futteral, das mittels eines Riemens am Sattel befestigt war. Dieser Mündungs-Schuh sollte verhindern, dass der Ladestock während des Marsches verloren ging bzw. die Waffe bei einer schnelleren Gang-Art des Pferdes unkontrolliert herum schwang, was für Reiter und Pferd gefährlich werden konnte. Darüber hinaus musste das Schlossblech für die Handhabung zu Pferd flacher und kleiner werden, Kanten und Schwanenhals-Hahn wurden abgeschrägt, was im Ergebnis eine verkleinerte, aber dennoch neue und somit kosten-verursachende Schloss-Konstruktion zur Folge hatte. Da jedoch die einheitliche Bewaffnung der gesamten Kavallerie als großes Ziel stand, schien diese Investition gerechtfertigt. Der eiserne Ring um interner Link Lauf und Schaft diente zur Halterung der Sattel-Stange, deren hinteres Ende mit einer Rundkopf-Schraube am schlangen-förmigen Schloss-Gegenblech fixiert war. Der hintere Riemen-Bügel bis 1763 am Kolben, dann am vorderen Abzugs-Bügel; der vordere Bügel vor dem zweiten Spitz-Röhrchen, der Steg im Schaft.

König interner Link Friedrich II. (1712 - 1786, besser bekannt als der "Große König"), der von der schwerfälligen Kavallerie seines Vaters (siehe interner Link Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740, besser bekannt als der "Soldatenkönig") nur wenig überzeugt war, veranlasste nach seinem Regierungs-Antritt eine Reihe von Reformen. Und obwohl er seinen interner Link Kürassieren, Dragonern und interner Link Husaren die interner Link Feuer-Waffen beließ, bestimmte er per interner Link A.K.O. vom 17. März 1742 in seinen Instruktionen für die Kavallerie: "Die Kommandeurs der Eskadrons sollen dafür responsable (verantwortlich) sein, dass kein Reiter oder Dragoner während der Bataille weder den Karabiner noch die Pistole gebraucht, sondern dass solche nur mit dem Degen in der Faust agieren."

Mit A.K.O. vom 3. April 1787 (bzw. 23. Oktober 1787; Einführung neuer Feuer-Waffen für Infanterie und Kavallerie) erging dann die Direktive, die Schäftung sämtlicher Gewehre und Karabinder umzuarbeiten (siehe dazu lokaler Link Preussen modernisiert). Kolben, Schaft und Lauf der verausgabten Dragoner-Gewehre wurden auf das Karabiner-Maß gekürzt und das Bajonett entfiel.


Karabiner M 1726/87
Auf Karabiner-Maß gekürztes Dragoner-Gewehr vom Modell 1726/87 (hier fehlend der eiserne Lauf-Ring samt der rück-seitigen Sattel-Stange; Bild-Quelle: ► Hermann Historica, München; Archiv 64. Auktion)

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Hersteller-Angaben
Entwickler: "Gewehrfabrique Potsdam"
Fabrik (Gravur): Potsdam 'POTSDAMMAGAZ'
Hersteller (Gravuren): Splittgerber und Daum 'S&D'
Produktionszeit: 1726 bis 1787
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: Preussen, rheinische Provinzen, Sachsen

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Gewehre)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 2 bis 3 Schuss pro Minute
Typ: Kavallerie-Karabiner
Modell: M/1726
Die folgenden Angaben sind Orientierungs-Werte, die je nach Einzel-Stück erheblich schwanken können (Angaben in Klammern benennen entweder Mittel-Werte verfügbarer Exponate oder beschreiben explizit das hier vorgestellte Beispiel). Die angeführten alten Maß-Angaben sind im Eintrag interner Link Maße und Einheiten erklärt...
technische Angaben
Gesamt-Länge: 55,0 Berliner Zoll (1.415,0 mm)
Lauf-Länge: 40,0 Berliner Zoll (1.030,0 mm)
Lauf-Befestigung: Stifte und Ringe
Kaliber: 0,62 Pariser Zoll (16,8 mm)
Kugel-Durchmesser: 0,60 Pariser Zoll (16,2 mm)
Gewicht: 4 bis 5 kg (4.040,0 g)
Schlossblech-Länge: 155 mm
Schaft: Nussbaum-Vollschaft
Kimme: Nein
Korn (Messing): etwa 10 cm hinter der Lauf-Mündung
Modifikation: lokaler Link Kavallerie-Karabiner Modell 1731

Ansichts-Exemplar
Sammlung: externer Link Museum der polnischen Armee, Warschau

Schloss M 1726
Detail-Ansicht: Steinschloss des Modells 1726 (hier ein Modell aus der Fertigung nach 1763 mit - fehlendem - Riemen-Bügel am vorderen Abzugs-Bügel)

Kavalleriegewehr M/1726
Kavallerie-Gewehr Modell 1726, (Montage, Bild-Quellen: ► kronoskaf - "The Seven Years War" und ► "The Vinkhuijzen collection of military uniforms");
u.r.: s.g. interner Link "Daumenblech" mit den Initialen "FWR", dem Monogram des preussischen Königs interner Link Friedrich Wilhelm I.



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Kavallerie-Karabiner M 1731 (... auch "Kürassier-Gewehr" genannt)

interner Link Hand-Feuer-Waffe aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen, mit interner Link Steinschloss-Zündung. Mit diesem leichten interner Link Karabiner begann in Preussen die serienmäßige Fertigung (siehe interner Link "Königliche Preussische Gewehrfabrique") spezieller Modelle für die interner Link Kavallerie, die bis dahin nur das lokaler Link Dragoner-Gewehr M 1726 führte (Montage).

Kavalleriekarabiner M/1731
Kavallerie-Karabiner Modell 1731, Montage (Bild-Quellen: ► kronoskaf - "The Seven Years War" und ► "The Vinkhuijzen collection of military uniforms"); o.l.: s.g. interner Link "Daumenblech" mit den Initialen "FWR", dem Monogram des preussischen Königs interner Link Friedrich Wilhelm I., dass am Kolben-Hals von Gewehren oder Pistolen eingelassen war und i.d.R. bei Übernahme der Waffe vom nachfolgenden Regenten durch dessen Signum ersetzt wurde.


Vorläufer (Basis-Modell):
lokaler Link Kavallerie-Karabiner Modell 1726
Nachfolger:
lokaler Link Kavallerie-Karabiner Modell 1787

In den Jahren vor der Inbetrieb-Nahme der interner Link "Königliche Preussische Gewehrfabrique" bezog die preussische interner Link Kavallerie beinahe sämtliche benötigten interner Link Karabiner und interner Link Pistolen mit großer Wahrscheinlichkeit überwiegend aus den angestammten Werk-Stätten des lütticher interner Link Büchsenmacher-Meisters Francois Pholien Henoul (wobei jedoch bislang keine originalen Stücke ausgemacht werden konnten).

Mit der Lieferung von rund 36.000 lokaler Link Infanterie-Gewehren des Modells 1723 im Jahr 1731 hatte die königlichen Waffen-Fabriken in Spandau und Potsdam ihren ersten Groß-Auftrag termin-gerecht erfüllt. Zwar war auf Basis dieses Infanterie-Gewehrs mit dem lokaler Link Dragoner-Gewehr Modell 1726 parallel bereits eine kürzere und damit leichtere Version für die Kavallerie entwickelt und produziert worden, doch war dieses Gewehr für die Bedienung zu Pferd noch immer zu lang, zu schwer und zu unhandlich.

Mit dem Vertragswerk vom 17. September 1731 orderte König interner Link Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740, besser bekannt als der "Soldatenkönig") insgesamt 7.920 Karabiner, mit denen die zwölf bestehenden, bzw. zwischen 1715 und 1718 reorganisierten bzw. neu formierten interner Link Kürassier-Regimenter bis 1735 komplett neu bewaffnet werden sollten. Der rationell denkende König plante mit diesem Auftrag nicht nur das herrschende Durcheinander diverser Typen, Kaliber und Hersteller abschaffen zu können, sondern setzte auch darauf, die interner Link preussische Armee von kostspieligen Importen unabhängig zu machen.

Der Effektivität halber sollte auch der neue Kavallerie-Karabiner in Anlehnung an die bisher für die interner Link Infanterie erstellten Gewehre gefertigt werden, doch waren einige kleinere Veränderungen nötig: Der Lauf des Karabiners erfuhr eine weitere Verkürzung um etwa 4 Berliner Zoll (ca. 103 mm) zum Dragoner-Gewehr, von dem jedoch das flache, kleinere Schlossblech mit abgeschrägten Kanten und Schwanenhals-Hahn übernommen wurde. Der eiserne Ring um interner Link Lauf und Schaft diente (wie bereits beim lokaler Link Dragoner-Gewehr vom Modell 1726) zur Halterung der Sattel-Stange, deren hinteres Ende mit einer Rundkopf-Schraube am schlangen-förmigen Schloss-Gegenblech fixiert war. Der hintere Riemen-Bügel bis 1763 am Kolben, dann am vorderen Abzugs-Bügel; der vordere Bügel vor dem zweiten Spitz-Röhrchen, der Steg im Schaft.

König interner Link Friedrich II. (1712 - 1786, besser bekannt als der "Große König"), der von der schwerfälligen Kavallerie seines Vaters nur wenig überzeugt war, veranlasste nach seinem Regierungs-Antritt eine Reihe von Reformen. Und obwohl er seinen Kürassieren, interner Link Dragonern und interner Link Husaren die interner Link Feuer-Waffen beließ, bestimmte er per interner Link A.K.O. vom 17. März 1742 in seinen Instruktionen für die Kavallerie: "Die Kommandeurs der Eskadrons sollen dafür responsable (verantwortlich) sein, dass kein Reiter oder Dragoner während der Bataille weder den Karabiner noch die Pistole gebraucht, sondern dass solche nur mit dem Degen in der Faust agieren."

Die überarbeiteten Monogramme auf den wenigen noch erhaltenen Stücken bezeugen, dass die Karabiner noch lange nach 1786 und damit parallel zu den Modellen der lokaler Link Modell-Reihe 1787 getragen wurden.


Kürassiergewehr M/1731
Kürassier-Gewehr M/1731
(Bild-Quelle: ► "Deutsches Blankwaffenforum")

~

Hersteller-Angaben
Entwickler: "Gewehrfabrique Potsdam"
Fabrik (Gravur): Potsdam 'POTSDAMMAGAZ'
Hersteller (Gravuren): Splittgerber und Daum 'S&D'
Produktionszeit: 1731 bis 1787
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: Preussen, rheinische Provinzen

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Karabiner)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 2 bis 3 Schuss pro Minute
Typ: Kavallerie-Karabiner
Modell: M/1731
Die folgenden Angaben sind Orientierungs-Werte, die je nach Einzel-Stück erheblich schwanken können (Angaben in Klammern benennen entweder Mittel-Werte verfügbarer Exponate oder beschreiben explizit das hier vorgestellte Beispiel). Die angeführten alten Maß-Angaben sind im Eintrag interner Link Maße und Einheiten erklärt...
technische Angaben
Gesamt-Länge: 52,0 Berliner Zoll (1.290 - 1.340,0 mm)
Lauf-Länge: 3 Berliner Fuß (930,0 – 948,0 mm)
Lauf-Befestigung: Stifte und Ringe
Kaliber: 0,62 Pariser Zoll (16,8 mm)
Kugel-Durchmesser: 0,60 Pariser Zoll (16,2 mm)
Gewicht: 3 bis 4 kg (3.200 - 3.751 g)
Schlossblech-Länge: 155 mm
Schaft: Nussbaum-Vollschaft
Kimme: in das Schwanzschrauben-Blatt eingefeilt
Korn (Messing): Ovalkorn etwa 10 cm hinter der Mündung
Modifikation: ab 1763 Riemen-Bügel am Abzugs-Bügel vorn

Ansichts-Exemplar
Sammlung: externer Link Deutsches Historisches Museum, Berlin

Abbildung gesucht
Komplett- und Detail-Ansichten gesucht...

Wir sind dankbar für jede Abbildung zum Thema. Ausgesprochen dankbar sind wir Ihnen, so Sie uns (soweit möglich bzw. bekannt) die Bild-Quelle und sämtliche relevanten Angaben (Ausstellungs-Ort, Maße, ggfs. Gewicht etc.) übermitteln könnten. Gern benennen wir Sie an dieser Stelle auch namentlich als Rechte-Inhaber bzw. Unterstützer dieses Projekts.


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Infanterie-Gewehr M 1723/40 (... auch Flinte "kurzer Fasson" genannt)

interner Link Hand-Feuer-Waffe aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen, mit interner Link Steinschloss-Zündung. Die auf Veranlassung von König interner Link Friedrich II. um etwa elf Zentimeter gekürzte und damit rund 250 Gramm leichtere Version des ersten serienmäßig in Brandenburg-Preussen gefertigten Standard-Gewehrs für die interner Link Infanterie. Auffälligstes Merkmal dieses Modells waren die rauten-artigen Schaft-Verschneidungen und der nunmehr zum Standard gehörende eiserne interner Link Ladestock.

Infanteriegewehr M/1723/40
Infanterie-Gewehr Modell 1723/40; mittig: s.g. interner Link "Daumenblech" mit den Initialen "FR", dem Monogram des preussischen Königs interner Link Friedrich II. Die in der Regel aus Messing gefertigten Marken waren am Kolben-Hals von Gewehren oder Pistolen befestigt, kennzeichneten das jeweilige Stück als eine "Waffe des Königs" und wurden mit jedem Regierungswechsel ausgetauscht. Links: interner Link Bajonette der Modelle 1723 und 1740 (Montage).


Vorläufer (Basis-Modell):
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1723
Nachfolger:
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1740

Die Annahme, dass mit längeren interner Link Läufen auch eine größere interner Link Durchschlagskraft -, vor allem aber höhere interner Link Reichweiten und bessere Treffer-Quoten erzielt werden könnten, war bereits mit der Erprobung und letztendlichen Einführung des lokaler Link Dragoner-Gewehrs Modell 1726 widerlegt worden (das im Grunde nur eine kürzere und damit leichtere Version des lokaler Link Infanterie-Gewehrs vom Modell 1723 war). Darüber hinaus hatten praktische Vergleiche beider interner Link Waffen erwiesen, dass das Dragoner-Gewehr auf Grund des kürzeren Laufes messbar schneller geladen werden konnte.

Noch unter König interner Link Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740, besser bekannt als der "Soldatenkönig") wurden die interner Link Dragoner der schnell beweglichen Infanterie zugerechnet. Kampf-Einsätze im Sattel waren nicht vorgesehen; die Pferde dienten ausschließlich dem Transport und somit der Mobilität. Diesen berittenen Infanteristen wurden als s.g. interner Link "Eliten" bald die interner Link Grenadiere zu Pferd (1729) und die interner Link Karabiniers (1738) zur Seite gestellt, die jedoch zunehmend mit interner Link Büchsen bewaffnet wurden.

Um seinen interner Link Infanteristen nicht nur das Gewicht der auf Märschen zu tragenden interner Link Ausrüstung und interner Link Bewaffnung sondern insbesondere auch die Handhabung der von ihnen geführten interner Link Musketen im Feuer-Gefecht zu erleichtern, befahl König interner Link Friedrich II. (1712 – 1786; später besser bekannt als "Der Große") nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1740 und im Rahmen zahlreicher Militär-Reformen auch die Kürzung sämtlicher interner Link Gewehre des Modells 1723 um etwa vier bis fünf interner Link Berliner Zoll. Mit vierzig Zoll Lauf- und rund fünfundfünfzig Zoll Gesamt-Länge waren die Infanterie- und Dragoner-Gewehre damit weitestgehend gleichlang (wobei sich Toleranzen von etwa +/- 15mm nicht nur durch Schwankungen im Rahmen der Herstellung sondern auch in der offenbar schnell erfolgten Umarbeitung begründen dürften). Und so man bedenkt, dass die damalige Durchschnittsgröße eines erwachsenen Mannes bei etwa 166 cm lag, muss die Kürzung als praktische Maßnahme bewertet werden: Der preussische interner Link Musketier konnte nun beim interner Link Lade-Vorgang auf die Mündung seiner Waffe herabschauen und darüber hinaus den ab 1730 standartmäßig eingeführten eisernen interner Link Ladestock wesentlich leichter händeln.

Kriterien, die im Ergebnis zur Steigerung der Feuer-Kadenz führten und dazu beitrugen, den legendären Ruf der preussischen interner Link Linien-Infanterie bezüglich ihrer außerordentlichen Feuer-Geschwindigkeit zu prägen. Letztendlich konnte infolge der Lauf-Kürzungen auch die reglementierte Mindest-Größe eines preussischen Infanteristen von sechsundsechzig auf dreiundsechzig - ab 1757 notgedrungen sogar auf sechzig - Zoll herabgesetzt werden.

Die kleiner gewachsenen interner Link Rekruten, die ab 1740 ausgehobenen und für die Infanterie ausgebildet wurden, dienten in den neu errichteten interner Link Füsilier-Regimentern, die in der interner Link Schlacht-Ordnung das zweite interner Link Treffen bildeten.

Ein besonderes Merkmal des Gewehr-Modells 1723/40 sind – neben dem alsbald ausgetauschten Daumenblech, dass das Gewehr nunmehr mit dem gekrönten Monogram FR für Fridericus Rex (lat. für "König Friedrich") als Waffe des Königs ausweist – die beinahe winkligen bzw. rauten-förmigen Schaft-Verschneidungen, die beinahe einer Einkerbung gleichen und vor allem die Haltung bzw. den Griff beim Anlegen und Zielen erleichtern sollten und in dieser Form bei allen Folge-Modellen in dieser Art nicht mehr vorkamen (bei den ab 1740 gefertigten Stücken geht der Schaft bogen-förmig in den nunmehr beinahe geraden Kolben über). Auch wurde die abgerundete Schloss-Platte des 23er Modells Stück für Stück durch ein gleichlanges aber nunmehr flaches Teil ausgetauscht, das für sämtliche ab 1740 produzierten Gewehre Standard wurde, sich jedoch trotzdem noch im geschwungenem oder spitz zulaufendem Ende unterschied. Eine weitere Neuerung war die Anweisung, dass Neu-Anfertigungen von nun an ein einheitliches interner Link Kaliber haben sollten (heute vorliegende Stücke weisen ein Mündungs-Kaliber von durchschnittlich 18,3 mm auf, was in etwa dem alten Berliner Maß von 0,70 Zoll -, bzw. dem heutigen Kaliber .72 entsprechen würde). Vorhandene Gewehre des 23er Modells sollten - soweit brauchbar und damit möglich - aufgebohrt werden.

~

Hersteller-Angaben
Entwickler: "Gewehrfabrique Potsdam"
Fabrik (Gravur): Potsdam 'POTSDAMMAGAZ'
Hersteller (Gravuren): Splittgerber und Daum 'S&D'
Produktionszeit: 1740/41
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: Preussen, Braunschweig, Mecklenburg

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Gewehr)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 3 bis 4 Schuss pro Minute
Typ: Infanterie-Gewehr
Modell: M/1723/40
Die folgenden Angaben sind Orientierungs-Werte, die im Vergleich mit anderen Stücken deutlich schwanken können ( Hinweis öffnen).
Angaben in Klammern benennen entweder Mittel-Werte verfügbarer Exponate oder beschreiben explizit das hier vorgestellte Beispiel.
Die angeführten alten Maß-Angaben sind im Eintrag interner Link Maße und Einheiten erklärt.
technische Angaben
Gesamt-Länge: ca. 55,5 Berliner Zoll (1.434,0 mm)
Lauf-Länge: ca. 40,0 Berliner Zoll (1.037,0 mm)
Lauf-Befestigung: Stifte
Kaliber: ca. 0,70 Berliner Zoll (18,3 mm)
Kugel-Durchmesser: ca. 0,68 Berliner Zoll (17,5 mm)
Gewicht: 4.420 g
Schlossblech-Länge: 178 mm
Schaft: Nussbaum-Vollschaft
Kimme: nein
Korn (Messing): Ovalkorn etwa 10 cm hinter der Mündung
Modifikation: keine

Ansichts-Exemplar
Sammlung: Empfehlung gesucht

Schloss M 1723/40
Detail-Ansicht: Steinschloss des Modells 1723/40 (hier ein Modell aus der Fertigung nach 1740 mit flachem Schloss-Blech)



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Infanterie-Gewehr M 1740 (... auch "Kuhfuß-Muskete" genannt)

interner Link Hand-Feuer-Waffe aus der Gruppe der interner Link flinten-artigen interner Link Vorder-Lader, Art der interner Link Musketen, mit interner Link Steinschloss-Zündung. Das friderizianische Modell mit dem ausgeprägten Kolben, das somit für den interner Link Bajonett-Kampf optimiert war und in den interner Link Kriegen um Schlesien und auf den Schauplätzen des externer Link Siebenjährigen Krieges zum Einsatz kam. Von kleineren Modifikationen abgesehen, diente das Modell bis 1787 als interner Link Standart-Gewehr und fand noch nach 1806 Verwendung.

Infanteriegewehr M/1740
Infanterie-Gewehr Modell 1740; oben: s.g. interner Link "Trophäen-Schilde" für interner Link Munitions-Taschen, daneben interner Link "Daumenblech" mit den Initialen "FR", dem Monogram des preussischen Königs interner Link Friedrich II., dass die Muskete zu einer "Waffe des Königs" erhob und bei einem Regierungswechsel durch das Stück des Nachfolgers ersetzt wurde; unten eine kürzere Version des interner Link Bajonetts M/1740 (Montage).


Vorläufer:
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1723/40
Nachfolger:
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1740/73

Schon kurz nach seinem Regierungs-Antritt (31. Mai 1740) verfügte interner Link Friedrich II. (1712 – 1786, besser bekannt als "Der Große König") eine ganze Reihe von Reformen, die neben der Justiz und der Religion, der Wirtschaft und der Verwaltung auch das Militär – insbesondere die interner Link Taktik und die Verwendung der interner Link Waffen – betrafen. So sollte die interner Link Kavallerie von nun an (und bald ausschließlich) mit interner Link Degen, interner Link Säbel oder interner Link Pallasch "agieren"; die interner Link Infanterie exerzierte neben dem interner Link Salven-Feuer vor allem den interner Link Sturm-Angriff mit dem interner Link Bajonett und das interner Link Bajonett-Fechten ("Bajonettieren"). Aus diesen u.a. Gründen waren die interner Link Läufe der bereits verausgabten lokaler Link Musketen vom Modell 1723 an Länge deutlich reduziert worden, was nicht nur den Vorteil hatte, dass die Waffen etwas leichter wurden, vielmehr konnte der durchschnittlich gewachsene preussische interner Link Musketier beim interner Link Lade-Vorgang auf die Mündung seiner Waffe herabschauen und den ab 1730 standartmäßig eingeführten eisernen interner Link Ladestock einfacher händeln; das interner Link Gewehr war schneller geladen, damit schneller feuer-bereit; womit letztendlich die interner Link Kadenz gesteigert werden konnte.

Besonders auffällig an den ab Herbst 1740 neu ausgegebenen Infanterie-Gewehren war der klobige Kolben, der den Musketen den eigentümlichen Spitznamen "Kuhfuß" gab: Der relativ dünne Kolben-Hals des 23er-Modells, der für die Beanspruchungen beim Bajonettieren nicht robust genug schien bzw. sich im interner Link Nah-Kampf als Schwachpunkt erweisen könnte, wurde auf Befehl des Königs verstärkt. Auch war die abgewinkelte Neigung von Kolben-Hals und Kolben hin zur Schäftung für die Haltung des Gewehrs im Bajonett-Kampf bzw. für eine kraftvolle Stoß-Bewegung, wie etwa beim Ausfall-Stich oder dem s.g. Nach-Stoß (auch "Riposte"; siehe dazu externer Link WIKIPEDIA) unpraktisch. Im Ergebnis bildeten bei den ab 1740 gefertigten Modellen Schaft und Kolben-Rücken in der gedachten Flucht eine durchgehende Linie, der Kolben-Hals wurde deutlich weniger abgewinkelt, dafür verstärkt, der Kolben selbst fiel plump und massiv und entsprechend gewichtig aus und war somit ganz offensichtlich auch für Schläge und/oder Stöße ausgelegt. Änderungen, die je nach Art des für die Schäftung verwendeten Holzes wieder eine Gewichts-Zunahme bedeuteten (etwa zweihundert Gramm bei Nussbaum; etwa fünfhundert Gramm für Buchen-Holz, das infolge des Mangels abgelagerter Nussbaum-Hölzer auf dem Höhepunkt des externer Link Siebenjährigen Krieges als Ersatz Verwendung fand) und den Schwerpunkt des Gewehrs nach hinten verlagerten, was wieder Folgen für den Rückstoß im Moment des Abschusses hatte.

Obwohl der Kolben des 40er-Gewehrs die sehr einfach gestaltete Kolben-Backe des 23er-Modells weitestgehend übernommen hatte, erwies sich die beinahe geradlinig durchgehende Schäftung nun wieder beim Anlegen als hinderlich. Da beim Schießen jedoch das interner Link Peloton- oder Salven-Feuer bevorzugt wurde - der Infanterist mehr über den Lauf des vorgehaltenen Gewehrs peilte als tatsächlich zielte -, gab es keinen Anlass, die Stabilität der Waffen zu Gunsten des Zielens mit ungewisser Treffer-Quote abzuändern. Aus welchen Gründen aber die Läufe der neuen Gewehre im Vergleich zu den gekürzten Vorgänger-Modellen wieder um etwa ein halbes interner Link Berliner Zoll verlängert wurden, konnte bislang nicht geklärt werden. Dem entgegen beschreiben einzelne Quellen auch die Produktion einer um etwa einen Zoll kürzeren 40er-Musketen-Version für die ab 1723 bzw. ab 1740 errichteten interner Link Füsilier-Regimenter, in die nunmehr die kleiner gewachsenen interner Link Soldaten eingereiht wurden und die aus diesem Grund in der interner Link Schlacht-Ordnung das zweite interner Link Treffen bildeten. Der Rede nach soll der hintere Riemen-Bügel dieses Gewehrs bereits am Abzugs-Bügel befestigt worden sein, was mehr auf ein lokaler Link Dragoner-Gewehr vom Modell 1726 aus der Fertigung nach 1763 schließen ließe. Die These, dass die kleineren Füsiliere ab 1740 grundsätzlich ein modifiziertes Dragoner-Gewehr geführt haben könnten, wäre auch dahingehend plausibel, so man die Länge des hier beschriebenen Modells – abzüglich eines Zolls – mit der durchschnittlichen Länge des Dragoner-Gewehrs M/1726 vergleicht: Beide Typen messen exakt fünfundfünfzig Zoll (was wiederum die These zulässt, dass es grundsätzlich nur ein leichteres bzw. kürzeres Modell gegeben haben könnte, das in zwei Versionen gefertigt wurde)...

Strittig ist nach wie vor die Frage, wann das s.g. Schwärzen der Schäfte (das Auftragen einer Beize aus Eisenschwärze [ein Azetat, das aus der Reaktion von rostigen Eisen-Spänen in Essig-Säure entsteht]) aufkam: Constantin Kling nennt die Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg, wobei es jedoch naheliegend wäre, dass bereits die aus hellem Buchen-Holz gefertigten Schäfte der Einheitlichkeit halber mit dem dunklen "Berliner Blau" (siehe dazu externer Link WIKIPEDIA) gebeizt wurden, das dem Untergrund nach mehrfachen Auftragen eine tief-dunkelblaue bis blau-schwarze Tönung verleiht.

Fakt ist, dass das 40er Modell in Anlehnung an das Vorgänger-Modell produziert wurde, womit es aufgrund von Nach- oder Umarbeitungen auf den ersten Eindruck schnell zu Verwechslungen kommen kann. Erstes mögliches Identifizierungs-Merkmal eines Modells von 1741 ist die auf dem Schlossblech geänderte Gravur, die nach David Splitgerbers (1683 – 1764) Rückzug aus dem Waffen-Geschäft im Jahr 1741 die alleinige Führung der interner Link "Königlich Preussischen Gewehrfabrique" durch Gottfried Adolph Daum (1679 – 1743) besiegelte und für "Splitgerbers Erben" stehen sollte ('DSE'; siehe dazu externer Link WIKIPEDIA). Das Blech selbst flach, wie es für sämtliche ab 1740 produzierten Teile Standard wurde, die sich jedoch noch in geschwungen oder spitz auslaufenden Enden unterschieden. Beide Versionen dieses Steinschlosses fanden auch in leicht kürzerer Version beim lokaler Link Husaren-Karabiner vom Modell 1742 Verwendung. Auch der Kolben wurde zwischen 1745 und 1780 in mehreren Schritten wieder reduziert und rückenseitig stärker abgewinkelt; letzte Fertigungen zeigen wieder eine wesentlich elegantere Form-Gebung. Ansonsten erfuhr das Modell von 1740 in den siebenundvierzig Jahren seiner Produktion eine ganze Reihe von kleineren Modifikationen. Genannt sein hier das Modell...

  • lokaler Link M 1740/73 (größeres Kaliber, zylindrischer Ladestock)
  • lokaler Link M 1740/80 (konisches Zündloch und Feuer-Schirm)

Über die im Rahmen des interner Link amerikanischen Unabhängigkeits-Krieges an die interner Link britische Armee "vermieteten" hessischen Soldaten gelangte das hier beschriebene Modell auch nach Nord-Amerika.

~

Hersteller-Angaben
Entwickler: "Gewehrfabrique Potsdam"
Fabrik (Gravur): Potsdam 'POTSDAMMAGAZ'
Hersteller (Gravuren): Daum &Splitgerbers Erben 'DSE'
Produktionszeit: 1740 bis 1787
produzierte Stückzahl: keine Angaben
Verbreitung: Preussen, Braunschweig, Hessen u.a.

Kategorisierung (allg.): siehe interner Link Muskete

Segmentierung
Gruppe: Vorder-Lader
Bereich: Nahbereichs-Waffe
Reichweite (effektiv): 75 bis 150 m (max. 300 m)
Sektion: glattläufige, flintenartige (Gewehre)
Art: Muskete
System: Steinschloss-Zünder
Kadenz: 3 bis 4 Schuss pro Minute
Typ: Infanterie-Gewehr
Modell: M/1740
Die folgenden Angaben sind Orientierungs-Werte, die je nach Einzel-Stück erheblich schwanken können (Angaben in Klammern benennen entweder Mittel-Werte verfügbarer Exponate oder beschreiben explizit das hier vorgestellte Beispiel). Die angeführten alten Maß-Angaben sind im Eintrag interner Link Maße und Einheiten erklärt...
technische Angaben
Gesamt-Länge: ca. 56,0 Berliner Zoll; 1.440,0 – 1.455,0 mm
Lauf-Länge: ca. 40,5 Berliner Zoll; 1.045,0 – 1.047,0 mm
Lauf-Befestigung: Stifte
Kaliber: ca. 0,70 Berliner Zoll (18,3 mm)
Kugel-Durchmesser: ca. 0,68 Berliner Zoll (17,5 mm)
Gewicht: 4.300 – 5.000 g (Buche 4.960 g)
Schlossblech-Länge: 178 mm
Schaft: Nussbaum- oder Buche-Vollschaft
Kimme: nein
Korn (Messing): Ovalkorn etwa 10 cm hinter der Mündung
Modifikation: lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1740/73
lokaler Link Infanterie-Gewehr Modell 1740/80

Ansichts-Exemplar
Sammlung: externer Link Deutsches Historisches Museum, Berlin

Schloss M 1740
Detail-Ansicht: Steinschloss des Modells 1740



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Arsenal "Preussen": Infanterie-Gewehr M 1740 (Bilder-Sammlung)

Konstruktion M 1740
Konstruktions-Zeichnung des Modells 1740 (fehlerhaft hier die Darstellung des zylindrischen Ladestocks)
Aus der Bilder-Tafel-Serie: "Heere der Vergangenheit", Krefeld 1973
(Bild-Quelle: ► Forum: "napoleon-online.de")

Schlossgegenblech M 1740
Detail-Ansicht: Schlossgegenblech des Modells 1740

Schlossbügel und Kolbenbeschlag M 1740
Detail-Ansicht: Schlossbügel und Kolbenbeschlag des Modells 1740

Konstruktion M 1740
Konstruktions-Zeichnung des Modells 1740 (Darstellung unter Verwendung der nebenstehenden Abbildung)
Gut erkennbar die geradlinige Flucht von Kolben-Rücken und Schaft; praktisch auch die übersichtliche Bezeichnung der einzelnen Bau-Teile.
(Bild-Quelle: ► "preussenweb.de")


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Letzte Änderung 26.04.2016: Eintrag M/1740

Besuche seit dem 01. Dezember 2015

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