… von Adolph von Menzel
Adolph Friedrich Erdmann Menzel (1815-1905, ab 1898 von Menzel), gilt als bedeutendster Vertreter des deutschen Realismus und viel beachteter Maler des Lebens und der Zustände seiner Zeit. Bekannt wurde er jedoch durch seine detailgetreuen, von größtmöglicher Authentizität geprägten, dabei aber weder heroisierenden noch idealisierenden Historien-Gemälde, die bald auch am preussischen Hof Gefallen fanden und durch Menzels Erhebung in den Adels-Stand schließlich höchste Wert-Schätzung und Anerkennung erfuhren. Erfolg hatte der Sohn des Breslauer Lithografen Carl Erdmann Menzel jedoch schon im Alter von 24 Jahren: 1839 erhielt der zeichnerisch äußerst talentierte Autodidakt den Auftrag, die fünf Bücher umfassende »Geschichte Friedrichs des Großen« von Franz Theodor Kugler zu illustrieren (online komplett verfügbar in der »Bayerischen Staatsbibliothek München«). Für dieses Werk fertigte Menzel innerhalb der nächsten zwei Jahre etwa 450 Feder-Zeichnungen als Druck-Vorlagen, die über die Jahre auch in vielen anderen Biografien, Romanen und Beschreibungen Verwendung gefunden haben und Menzel über die Zahl der Nach-Auflagen ein solides Grund-Einkommen verschafften.
Die Arbeit an den Illustrationen weckte in dem detail-versessenen Künstler das Interesse an originalen Gegenständen aus der friderizianischen Epoche. Belegt ist, dass Menzel zwischen 1839 und 1853 im Rahmen seiner Besuche in den Zeug-Häusern von Dresden und Berlin unzählige Skizzen mit Studien dort befindlicher Waffen und Monturen zeichnete und schließlich wohl auch Zugang zur Uniformen-Sammlung des Königs Friedrich Wilhelm III. erhielt. In einer Mischung aus wissenschaftlicher Akribie und penibelster Versessenheit widmete sich Menzel insbesondere der Erforschung des Erscheinungs-Bildes der alt-preussischen Armee; fertigte Dutzende Abbildungen mit den unterschiedlichen Verzierungen von Mützen-Blechen der einzelnen preussischen Grenadier- und Füsilier-Einheiten und dokumentierte selbst die kleinsten Feinheiten der regiments-spezifischen Posamenten, Arabesken und Effekten, die die Uniformen-Röcke zierten.
Diese Studien-Bücher wurden wiederum Grundlage für Menzels umfangreiches Uniformen-Werk.
Einen ersten Eindruck vermittelte das zusammen mit Eduard Lange entwickelte und vom Leipziger Verlag Avenarius & Mendelssohn 1853 veröffentlichte Werk »Die Soldaten Friedrichs des Großen«, das als "Compendium" des preussischen Heeres und als Ergänzung von Kuglers Werk eingestuft wurde (online komplett verfügbar in der »Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Dresden«). Die 30 von Menzel für diese Buch-Ausgabe ursprünglich in schwarz-weiß angelegten Holz-Schnitte wurden von der Xylographischen Anstalt von Eduard Kretzschmar in Leipzig gestochen, die bereits Menzels Illustrationen für Kuglers Werk umgesetzt hatte. Dem Zeit-Geschmack entsprechend, veröffentlichte Kretzschmar die von Menzel gezeichneten Illustrationen kurz darauf auch in einer eigenständigen Portfolio-Ausgabe mit Drucken, die nach Menzels strengen (und schon pedantisch wirkenden) Anweisungen hand-coloriert und wohl von diesem auch persönlich geprüft und freigegeben wurden.
Zwischen 1855 und 1860 erschien dann Menzels monumentales Uniformen-Werk »Die Armee Friedrichs des Großen in Ihrer Uniformierung« (andere Quellen nennen bereits 1852 und 1857, wobei hier sehr wahrscheinlich das vorgenannte Werk mit einbezogen wurde). Die Druck-Platten für die mindestens 436 Tafeln umfassende Studien-Sammlung, die die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten beinahe sämtlicher Regimenter und Einheiten der preussischen Armee zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) bzw. nach dem Reglement von 1752/53 zeigen, fertigte das in Berlin ansässige Lithographische Institut Louis Friedrich Sachse & Co., das unter Menzels Aufsicht auch die Kolorierung ausführte.
In einer Biographie über Menzel aus dem Jahre 1915 heißt es hierzu: "Man kann es kaum fassen, daß ein so großer Künstler es fertiggebracht hat, alle Uniformen der Friderizianischen Armee, vom Rock bis zu den Gamaschen, vom Zopf bis zum Sporn, vom Sattel bis zur Kinnkette so peinlich genau zu zeichnen, daß es ihn dauernd interessieren konnte, darzustellen, wie Schärpe und Portepee geschlungen, wie der Sattel gepackt, der Karabiner angeschnallt, wie Sponton, Stock, Gewehr geführt, wie der Zopf geknotet, die Haarlocke toupiert, der Schnurrbart gewichst, der Hut gesetzt worden sind. Etwas absolut Wissenschaftliches ist erstrebt, aber es ist mit einer hohen künstlerischen Eleganz verwirklicht worden."
(Quelle: »Friese & Lacina Editionen«)
Bemerkenswert ist der Umstand, dass die von Sachse gedruckte und anschließend hand-colorierte Erst-Auflage lediglich 30 Exemplare umfasste (bei weit mehr als 400 Motiven insgesamt immerhin über 13.000 Einzel-Blätter!), von denen 25 Stück an die europäischen Königs- und Fürsten-Häuser und lediglich 5 Stück in den freien Verkauf gehen sollten. Darüber hinaus verfügte Menzel selbst noch über zwei Vorlagen, die wohl als Kopier- und Kolorier-Vorlage dienten und lange als verschollen galten (die Kolorier-Vorlage wurde 2017 bei Sotheby's versteigert). Ein drittes Exemplar, das mit 283 kolorierten Original-Federzeichnungen und über 200 überwiegend kolorierten Lithographien mehr als Arbeits-Buch zu sehen ist, fand sich im Nachlass des Malers, Menzel-Mitarbeiters und Freundes Alexander Friedrich "Fritz" Werner und wurde 1909 versteigert; am 22. Mai 2017 erzielte diese "Werner-Ausgabe" im Auktions-Haus »Ketterer Kunst« einen Erlös von 36.000 €uro.
Sehr wahrscheinlich diente dieses Muster, das den Quellen nach Titel-Blätter, Texte und Anmerkungen, Ergänzungen und Bild-Unterschriften enthielt, der von Curt Jany und Franz Skarbina im Jahr 1910 herausgegebenen Auswahl von 100 kolorierten Reproduktionen.
Beispiel-Abbildung aus dem am 5. Juli 2017 bei »Sotheby's« (London) versteigerten Original-Studienwerk von Adolf Friedrich Erdmann (von) Menzel.
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Die Armee Friedrichs des Großen in Ihrer Uniformierung…
Erster Band: Die Cavallerie
Bei seiner Thron-Besteigung am 31. Mai 1740 verfügte Friedrich II. (der spätere "Große König") über zwölf Regimenter zu Pferde (Kürassiere) mit je fünf Eskadronen, sechs Regimenter berittene Infanterie (Dragoner, wobei hier drei Regimenter mit zehn Eskadronen bzw. – gleich der Infanterie – mit zwei Bataillonen gegeben waren) und ein Husaren-Korps mit neun Eskadronen. Zusammen 114 Eskadronen mit insgesamt 18.515 Mann. Jede Eskadron unterteilte sich in zwei Kompanien, diese wieder in zwei Züge, "deren keiner unter 9 Rotten sein soll". Der Zug wurde somit in der Regel aus drei Abteilungen zu je drei Rotten gebildet.
Obwohl bereits König Friedrich I. vermutlich im Jahr 1708 mit einem Entwurf für ein Reglement der Kavallerie begonnen hatte, gab es im brandenburgisch-preussischen Heer reglementierte Vorschriften zur Organisation, Ausbildung und Dienst-Ordnung sowie zur Stärke, Struktur und Gliederung militärischer Einheiten erstmals mit den königlichen Reskripten vom 26. Februar bzw. 17. Mai 1713 für die Infanterie. Mit Datum vom 1. März 1727 erließ der spätere "Soldaten-König" Friedrich Wilhelm I. dann auch das »Reglement vor die kgl. Preuß. Cavallerie-Regimenter …« in zwölf Teilen, das mit den gleichzeitig an die Dragoner ergangenen Vorschriften weitestgehend identisch ist.
Friedrich II. hatte bzgl. der militärischen Qualitäten – Moral und Disziplin, vor allem aber Ausbildung und daraus resultierende Kampf-Kraft – der von seinem Vater errichteten und ihm vererbten Kavallerie erhebliche Zweifel. Seine Befürchtungen bestätigten sich in der Schlacht bei Mollwitz (10. April 1741) zu Beginn des Ersten Schlesischen Krieges, in der zahlreiche preussische Eskadronen schon im Anblick der überlegenen, jedoch schlecht geführten habsburgischen Kavallerie die Flucht ergriffen; das von den niederländischen Verbündeten entwickelte und im Jahr 1705 auch der preussischen Infanterie befohlene und mit Ausdauer exerzierte schnelle "Peloton-Feuer" rettete die Armee. Noch vor dem "Endgültigen Frieden von Berlin", geschlossen am 28. Juli 1742, wurde mit Datum vom 17. März 1742 die »Instruction für die Cavallerie für den Fall einer Bataille« verausgabt, mit der König Friedrich II. – in Vorahnung weiterer Auseinandersetzungen mit den Habsburgern – umfangreiche Reformen seiner Armee einleitete.
Auszüge:
… 2ter Artikel: "Sobald befohlen wird, dass die Cavallerie avanciren soll, so muss sie gleich in Trab fallen; wenn sie aber ohngefähr hundert Schritt von den feindlichen Escadrons sind, alsdann sollen sie, gut geschlossen, die Pferde aus vollem Halse hereinjagen und so einhauen." und …
… 8ter Artikel: "Die Commandeurs der Escadrons sollen dafür responsable sein, dass kein Reiter oder Dragoner währender Bataille weder den Carabiner noch die Pistolen gebrauchet, sondern dass solche nur allein mit dem Degen in der Faust agiren, weshalb den Reitern und Dragonern wohl imprimiret und beigebracht werden muss, dass, so lange sie die Carabiner und Pistolen noch geladen haben, solche ihnen noch immer zu gute bleiben."
Ausführlich beschrieben wurden die insgesamt neun Artikel dieser "ersten Hilfe" zur Schlachten-Taktik mit den neuen Reglements für die Kavallerie vom 17. Juni und der Infanterie von 20. Juni 1742; Ergänzungen erfolgten mit den Anhängen vom 1. Juni 1743 (»Reglement Vor die Königlich Preußische Cürassier (Dragoner) Regimenter Worin enthalten die Evolutions zu Pferde und zu Fuß, das Manual und die Chargirung …«) und vom 12. Juni 1744.
Zu Menzels Studien-Blätter der …
Kürassiere
Dragoner
Husaren
Infolge bestehender Verpflichtungen im Rahmen der Reichsheeres-Verfassung -, geschlossener Bündnis-Verträge, Partei-Nahmen oder sich hieraus entwickelnder Interessens-Konflikte, aber auch aufgrund der Wahrung oder Durchsetzung berechtigter oder zweifelhafter Erbschafts- und daraus resultierender Territorial-Ansprüche war Brandenburg-Preussen in beinahe sämtliche militärisch ausgetragenen Auseinandersetzungen verwickelt, die nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges um die Vormacht-Stellung in Europa geführt wurden. Da sich das kleine Kurfürstentum (als auch das ab 1701 etwas größere König-Reich) somit permanent in einem Zustand ständiger Kriegs-Bereitschaft befand, waren auch die Kriegs-Kasse sowie die von den Ständen bewilligten Defensions- bzw. Militär-Etats und die daraus resultierende Truppen-Stärke erheblichen Schwankungen unterworfen: Wurde bspw. die Soll-Stärke einer Kürassier-Eskadron nach dem Reglement vom 17. Juni 1742 mit 132 Gemeinem angegeben, waren es im Jahr 1744 bereits 144 Mann. Bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1756 stieg die Mannschafts-Stärke auf 156 und im Jahr 1757 dann auf 168 Soldaten. Verluste, Schwierigkeiten bei der Anwerbung und die zunehmend prekäre Schief-Lage der Staats-Finanzen hatten zur Folge, dass die Mannschaften ab 1758 wieder auf 144 Mann reduziert wurden (eine Entwicklung, die in allen beteiligten Armeen beobachtet werden konnte). Hingegen konnte der Etat sämtlicher preussischen Einheiten nach dem "Mirakel des Hauses Brandenburg" (infolge des Todes der russischen Zarin Elisabeth konnte Preussen am 5. Mai 1762 mit Russland den Frieden von St. Petersburg schließen) wieder deutlich erhöht werden; die Eskadron wurde auf 174 Mannschaften festgesetzt.
In der von Menzel gewählten Betrachtungs-Zeit der Kriege um Schlesien und des Siebenjährigen Krieges zählte jedes Kürassier-Regiment…
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Anmerkung: Die Regiments-Nummern beziehen sich auf das mit A.K.O. vom 1. Oktober 1806 eingeführte Bezeichnungs-System.
Kürassier-Regiment № 1
Kürassier-Regiment № 2
Kürassier-Regiment № 3
Kürassier-Regiment № 4
Kürassier-Regiment № 5
Kürassier-Regiment № 6
Kürassier-Regiment № 7
Kürassier-Regiment № 8
Kürassier-Regiment № 9
Kürassier-Regiment № 10
Kürassier-Regiment № 11
Kürassier-Regiment № 12
Kürassier-Regiment № 13
Anlagen
Kurz-Geschichte
Vor-Geschichte (die alte "Garde du Corps")
Den Untergang der alt-preussischen Armee und die anschließenden Kapitulationen bei Erfurt (16. Oktober 1806) und Prenzlau (28. Oktober), Pasewalk (29. Oktober), Anklam (1. November) und Ratekau (7. November) sowie der Festung Magdeburg samt den dort gelegenen und bestens gefüllten Munitions- und Verpflegungs-Depots (8. November) überstanden von den dreizehn Kürassier-Regimentern nur zwei (№ 4 und № 13), die mit A.K.O. vom 7. September 1808 als "Schlesisches Kürassier-Regiment (Nr. 1)" und "Regiment Gardes du Corps (Nr. 3)" fort-bestanden.
Das mit A.K.O. vom 7. September 1808 formierte "Ost-Preussische Kürassier-Regiment (Nr. 2)" ging aus dem in Ost-Preussen verbliebenen Regiment "von Zieten" (1806 "von Auer" № 6) hervor, das gemäß Order vom 16. Oktober 1807 auf acht Eskadronen reduziert und nach Übernahme und Aufteilung der Depots der aufgelösten Dragoner-Regimenter "von Herzberg" (№ 9) und "von Heyking" (№ 10) in zwei Regimenter geteilt worden war (I. Bataillon: Zieten-Kürassiere; II. Bataillon: Zieten-Dragoner).
Die von Major Karl Leopold von Stülpnagel (Kommandeur des Kürassier-Regiments № 5) gesammelten Reste seines und des 8ten Kürassier-Regiments wurden im Februar 1807 zur "Kürassier-Brigade Stülpnagel" formiert, aus der mit A.K.O. vom 16. Oktober 1807 die "Märkische Kürassier-Brigade" unter Kommando von Oberst Friedrich August Freiherr von Maltzahn, bis dahin Kommandeur des Dragoner-Regiments "von Baczko" (№ 7) mit vier Eskadronen hervor-ging. Diese Einheit wurde im Rahmen der Reorganisation bzw. mit A.K.O. vom 7. September 1808 als "Brandenburgisches Kürassier-Regiment (Nr. 4)" in die neue preussische Armee eingereiht.
Im Einzelnen wurden formiert …
1te Eskadron aus den Resten des Regiments Gens d'armes (seit 1652 Kurfürstliche Leibgarde zu Pferde; 1806 10tes).
2te Eskadron aus den Resten des Leib-Regiments und der Leib-Karabiniers (3tes und 11tes).
3te Eskadron aus v. Beeren-Kürassieren (2tes).
4te Eskadron aus v. Ouitzow- und v. Reitzenstein-Kürassieren (6tes und 7tes).
Nach der Reorganisation von 1808 wurden alle Uniformen nach Vorbild der russischen Kürassiere wesentlich vereinfacht. Die vier Kürassier-Regimenter erhielten weiße Kollets mit stehenden farbigen Kragen und Aufschlägen, dunkel-blaue Litewkas mit einem Kragen gleich dem Kollet-Kragen, graue Überknopf-Hosen mit gelben oder weißen Knöpfen, schwarz-lederne Helme mit gelbem Beschlag und schwarzem Roßhaar-Kamm (die Trompeter seit 1814 rot).
Im Einzelnen wurde bestimmt …
Schlesisches Kürassier-Regiment: schwarze Abzeichen, gelbe Knöpfe und weiße Achsel-Klappen.
Ost-Preussisches: hell-blaue Abzeichen, weiße Knöpfe und weiße Achsel-Klappen.
Garde du Corps: ponceau-rote Abzeichen, weiße Knöpfe und weiße Achsel-Klappen.
Brandenburgisches: licht-blaue Abzeichen, weiße Knöpfe und weiße Achsel-Klappen (die Litewka mit ponceau-rotem Kragen).
Die in allen europäischen Heeren zu Beginn des 17. Jahrhunderts vertretenen Dragoner haben ihre Anfänge in den sog. Arkebusier-Reitern des 16. Jahrhunderts, die zum Transport ihrer schweren Feuer-Waffen während des Marsches Pferde requirierten, die in der Regel als Zug- oder Lasten-Pferde genutzt wurden und als kräftige, aber langsame Kalt-Blüter für die Schlachten-Kavallerie (Kürassiere, Lanciers etc.) unbrauchbar waren. Mit der Verbreitung der leichteren Muskete – insbesondere mit dem Aufkommen des "Dragon", einer Kurz-Version des späteren Tromblons mit einem zierenden Drachen-Kopf an der Mündung – entwickelte sich in Frankreich zur Mitte des Dreißigjährigen Krieges die neue Waffen-Gattung der Dragoner, die anfänglich als berittene bzw. schnell(er) bewegliche Infanterie eingesetzt wurden, im Gefecht jedoch an der Seite der Musketiere zu Fuß kämpften.
Obwohl auch Brandenburg in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges je nach Bedarf eine ganze Reihe von Regimentern zu Pferde geworben und je nach Kriegs- und Kassen-Lage in Teilen oder in Gänze wieder aufgelöst hatte, begann die Geschichte der brandenburgisch-preussischen Dragoner mit dem legendären Kavallerie-General Georg von Derfflinger, der im schwedischen Heer unter König Gustav II. Adolf vom einfachen Reiter zum Obristen aufgestiegen -, 1654 in kurfürstlich brandenburgische Dienste getreten und hier als ungebildeter Nicht-Adliger vom Obristen zum General und bald darauf zum General-Feldmarschall avanciert war und schließlich zum Statthalter von Hinter-Pommern und Ober-Gouverneur aller Festungen erhoben wurde.
Ausgehend von drei zwischen 1655 und 1666 von Derfflinger errichteten Regimentern zu Pferd, aus denen durch Abgaben, Aufteilungen und Umbildungen zwischen 1687 und 1697 eine Reihe von Neu-Formationen hervorgingen, zu denen u.a. die Kürassier-Regimenter № 5 und № 11 zählten, verfügte König Friedrich I. "in Preussen" bereits über zwei dauerhaft bestehende Dragoner-Regimenter, die von seinem Sohn, Soldaten-König Friedrich Wilhelm I., nach dem Pommern-Feldzug von 1715/16 als "Reuter" (Reiter) tituliert wurden, deren Exerzier-Reglement jedoch noch bis 1727 überwiegend auf den Infanterie-Dienst und damit mehr auf das Gefecht zu Fuß als auf das Reiten und die Attacke mit dem blanken Degen ausgerichtet war (was begründet, dass jeder "Reuter"-Eskadron anstelle der Trompeter drei Tambours beigegeben waren). Zwischen 1717 und 1727 errichtete er vier weitere Regimenter, zu denen auch die im Jahr 1717 aus Sachsen übernommenen "Porzellan-Dragoner" gehörten.
Friedrich II. übernahm bei seinem Regierungs-Antritt im Jahr 1740 insgesamt 45 Dragoner-Eskadronen (wobei die Regimenter von Platen № 1, Grenadiers zu Pferde № 3 und Bayreuth № 5 über zehn und № 2, 5 und 6 über je fünf Eskadronen verfügten). Er verdoppelte die Zahl der Regimenter bis 1744 auf zwölf, die nun gleich so wie die Kürassiere eingesetzt wurden. Unter seiner Herrschaft erhielten die "Reuter" ein eigens Reglement und wurden – nunmehr offiziell als Dragoner bezeichnet – der Kavallerie zugeordnet, was insbesondere dadurch belegt ist, dass das Dragoner-Regiment № 2 im Jahr 1745 mit dem Privileg ausgezeichnet wurde, den "Reuter-Marsch … schlagen" zu dürfen. Um neuerliche Verwechslungen mit der österreichischen Kavallerie zu vermeiden, hatten die Dragoner ihre weißen Röcke nach dem zweiten Krieg um Schlesien gegen hellblaue Stücke zu tauschen (bzw. umzufärben).
Gleich den Kürassieren wurden auch die Dragoner-Eskadronen in je zwei Kompanien unterteilt, wobei die Etats mit 837 Mann im Jahr 1740 -, 892 im Jahr 1756 und ab 1757 mit 907 Mann etwas höher als bei den Kürassieren ausfielen. In der von Menzel gewählten Betrachtungs-Zeit der Kriege um Schlesien und des Siebenjährigen Krieges zählte jedes Dragoner-Regiment…
Nach dem Hubertusburger Frieden (1763) wurde der Etat der Dragoner-Regimenter mit fünf Eskadronen (die Dragoner-Regimenter № 5 und 6 verfügten als Doppel-Regimenter nach wie vor über zehn Eskadronen) auf 37 Offiziere, 70 Unteroffiziere, 6 Hautboisten, 10 Trompeter, 5 Tamboure, 720 Gemeine, 5 Feld-Scherer und 10 Fahnen-Schmiede reglementiert. Der Unterstab zählte mit Quartier-Meister, Prediger, Auditeur, Regiments-Feldscher sowie einem Bereiter, Sattler und Profoss sieben Angehörige; das Regiment insgesamt 865 Mann.
Dragoner-Regiment № 1
Dragoner-Regiment № 2
Dragoner-Regiment № 3
Dragoner-Regiment № 4
Dragoner-Regiment № 5
Dragoner-Regiment № 6
Dragoner-Regiment № 7
Dragoner-Regiment № 8
Dragoner-Regiment № 9
Dragoner-Regiment № 10
Dragoner-Regiment № 11
Dragoner-Regiment № 12
spätere Formationen № 13 & 14
Erwähnenswert und der Vollständigkeit halber noch die beiden Dragoner-Regimenter, die nach der Regierung des Großen Königs errichtet und mit dem Untergang der Alten Armee der Auflösung bzw. der Aufteilung verfielen:
Dragoner-Regiment "von Rouquette" № 13
Errichtung
Im Ergebnis der Zweiten Polnischen Teilung war im Jahr 1793 auch die bis dahin von Russland besetzte Freie Stadt-Republik von Danzig samt dem umliegenden Gebiet an der Mündung der Weichsel an das König-Reich Preussen und damit an Brandenburg-Preussen gefallen. Zur Sicherung der Handels-Verbindungen gegen das Banden-Unwesen und der wieder-gewonnenen Post-Straße Stettin-Königsberg befahl König Friedrich Wilhelm II. noch im Jahr 1793 Oberst Jakob von Zülow, bis dahin Obrist-Leutnant und Eskadrons-Chef im Kürassier-Regiment "von Dalwig" (№ 12), die Aufstellung einer Dragoner-Eskadron, zu deren Errichtung Danziger Freiwillige geworben wurden, die in Alt-Schottland bei Danzig erst Quartier und später auch Garnison erhielten. Durch Anwerbungen polnischer Rekruten und Abgaben bestehender Kavallerie-Regimenter wurde die Einheit mit A.K.O. vom 16. Februar 1802 zum Stamm eines neuen Dragoner-Regiments erklärt, dessen Kommando und spätere Chef-Stelle Hans Stephan von Rouquette erhielt.
Verbleib
Das Regiment, das 1806 dem Corps L'Estocq's zugeteilt war und in den Gefechten zwischen Schneidemühl und Bromberg (14. November) und Schulitz (15. November); 1807 dann bei Preussisch-Holland (21. Januar), Preussisch-Eylau (8. Februar) und zwischen Marienwerder und Mewe (11. Februar) stand und schließlich nach Danzig zurück-kehrte, blieb nach der ehrenvollen Kapitulation der Stadt am 24. Mai 1807 bestehen, ging aber während der Neu-Formation mit A.K.O. vom 16. Oktober 1807 im prov. Kürassier-Regiment "von Wagenfeld" auf, aus dem im Rahmen der Reduktionen infolge der Pariser Konvention vom 7. September 1808 das "Schlesische Kürassier-Regiment Nr. 1" gebildet wurde, das am 3. Dezember 1808 Breslau als Garnison erhielt.
Dragoner-Regiment "von Wobeser" № 14
Nachdem Preussen mit dem Frieden von Basel im Jahr 1795 seine links-rheinischen Besitzungen und damit große Teile des Herzogtums Kleve an Frankreich hatte abtreten müssen, wurden die dortigen Garnisonen Hamm, Minden und Bielefeld – insbesondere die Festung Wesel – in Erwartung neuerlicher Auseinandersetzungen aber auch revolutionärer Umtriebe erheblich verstärkt. Zur Sicherung der neuen Demarkations-Linie am Rhein wurde neben den Leib-Kürassieren "von der Goltz" (№ 3) auch das Regiment "Leib-Carabiniers" (№ 11) in die niederrheinisch-westfälischen Provinzen verlegt. Kommandeur der in Münster und Umgebung einquartierten Einheit war seit dem 23. Januar 1797 Karl Georg Friedrich von Wobeser, der am 24. Januar 1803 seine Ernennung zum Chef eines im Vor-Jahr aus Abgaben seines Regiments, Münsteraner Dragonern und angeworbenen Münsterländer Rekruten neu formierten und mit Stand-Orten in Münster, Warendorf, Warburg, Hildesheim und Duderstadt garnisonierten Dragoner-Regiments wurde.
1806 in der Haupt-Armee des Herzogs von Braunschweig zogen sich Teile des Regiments von Auerstedt über Sömmerda in Richtung Weimar zurück und gerieten im Korps Hohenlohe am 28. Oktober in die Kapitulation von Prenzlau; die Masse des Regiments zog sich im Korps Rüchel zurück und kapitulierte im Korps Blücher am 7. November bei Ratekau. Die verbliebenen Reste wurden um Heilsberg und Königsberg gesammelt und fanden bei der Errichtung der aus Versprengten, Ranzionierten und verwaisten Depots neu formierten West-Preussischen Dragoner-Regimenter Nr. 2 und 4 Verwendung.
Der Friede von Tilsit, geschlossen am 9. Juli 1807, reduzierte das bei Kriegs-Beginn im Jahr 1806 rund 240.000 Mann starke preussische Heer auf 42.000 Mann. Mit Weisung vom 15. Juli 1807 berief König Friedrich Wilhelm III. dann eine Militär-Reorganisationskommission, die nach ihrer Konstituierung ab dem 25. Juli neben der Aufarbeitung der Gründe für die katastrophale Niederlage bei Jena und Auerstedt auch mit der Neu-Aufstellung der infolge des chaotischen Rückzugs -, der im Herbst 1806 bzw. im Frühjahr 1807 mit wenig glücklichem Ausgang geführten Feld-Züge und vor allem der aufgrund von Kapitulationen untergegangenen "alten" Armee bzw. der Einteilung der bei Kriegs-Ende 1807 verbliebenen Streit-Macht von 63.000 Mann betraut wurde.
Mit A.K.O. vom 16. Oktober 1807 – und damit ein Jahr nach dem Untergang der alt-preussischen Armee – begann für die Kavallerie die Neuaufstellung. Bis auf die Garde du Corps (und das Husaren-Regiment Nr. 5 sowie die Ulanen) wurden alle Regimenter von 5 auf 4 Eskadronen mit einem Etat von je 6 Offizieren, 15 Unteroffizieren, 132 Gemeinen, 3 Trompetern und nur 125 Pferden verkleinert.
Bei den Dragonern blieben bestehen:
Dragoner-Regiment "Königin" (№ 5).
Dragoner-Regiment "von Baczko" (№ 7).
Dragoner-Regiment "von Esebeck" (№ 8).
Wie die Reste der Infanterie wurden auch die zerschlagenen, verstreuten und/oder aufgelösten Regimenter der Kavallerie in den nicht-besetzten Provinzen Ost-Preussen, Schlesien und Pommern gesammelt und über provisorisch errichtete Verbände verteilt, die mit A.K.O. vom 16. Oktober 1807 als Brigaden bezeichnet wurden. So gingen die Dragoner-Regimenter "von Irwing" (№ 3) und "von Katte" (№ 4) in der Dragoner-Brigade "von Wedell" auf; die beiden Bataillone des Dragoner-Regiments "von Auer" (№ 6) stellten die Dragoner-Brigade "von Zieten"; dazu kam die Dragoner-Brigade "Prinz Wilhelm", die überwiegend aus Ranzionierten (aus der Kriegs-Gefangenschaft entlassene oder entkommene Soldaten) aufgestellt wurde.
Der Auflösung verfielen:
Dragoner-Regiment "König von Bayern" (№ 1; Reste in Dragoner-Brigade "Prinz Wilhelm").
Dragoner-Regiment "von Prittwitz" (№ 2; Reste in Dragoner-Brigade "von Wedell").
Dragoner-Regiment "von Herzberg" (№ 9; Reste in Dragoner-Brigade "von Zieten").
Dragoner-Regiment "von Heyking" (№ 10; Reste in Dragoner-Brigade "von Zieten").
Dragoner-Regiment "von Krafft" (№ 11; Reste in Dragoner-Brigade "von Zieten").
Dragoner-Regiment "von der Osten" (№ 12; Reste in Husaren-Brigaden).
Dragoner-Regiment "von Rouquette" (№ 13; Reste im Kürassier-Regiment "von Wagenfeld").
Dragoner-Regiment "von Wobeser" (№ 14; Reste in Dragoner-Brigade "von Zieten").
Die Pariser Konvention vom 8. September 1808 legte dann die maximal zugestandenen Gesamt-Stärken der einzelnen Truppen- und Waffen-Gattungen fest (wobei nun auch Preussen – ohne Mitglied des Rhein-Bundes zu sein – verpflichtet wurde, die Hälfte seiner Truppen im Fall neuerlicher Konflikte der Grande Armée zu unterstellen):
Die Infanterie mit 22.000 Mann in 10 Regimentern.
Die Kavallerie mit 8.000 Mann in 32 Schwadronen (8 Regimenter).
Die Artillerie samt techn. Truppen mit 6.000 Mann.
Die Garde des Königs mit 6.000 Mann.
Mit A.K.O. vom 16. November 1808 wurden die sog. Truppen- oder Provinz-Brigaden aufgestellt (Ost-Preussische Brigade, West-Preussische Brigade, Pommersche Brigade, Brandenburgische Brigade, Nieder-Schlesische Brigade und Ober-Schlesische Brigade), wobei jede Brigade je zwei der verbliebenen Infanterie- und zwei bis drei der bestehenden Kavallerie-Regimenter zugeteilt bekam, die nunmehr Bezeichnungen erhielten, die die jeweilige Provinz und die Nummer der neuen Rang-Folge benannten.
In die Neu-Preussische Armee wurden eingereiht:
… Regiment Königin-Dragoner als "Regiment Königin-Dragoner Nr. 1".
… Dragoner-Regiment "Zieten" (aus der Brigade "Zieten") als "1tes Westpreussisches Dragoner-Regiment Nr. 2".
… Ostpreussisches Dragoner-Regiment (aus Baczko-Dragonern № 7) als "Litthauisches Dragoner-Regiment Nr. 3".
… Dragoner-Regiment "Esebeck" № 8 als "2tes Westpreussisches Dragoner-Regiment Nr. 4".
… Dragoner-Brigade "Prinz Wilhelm" als "Brandenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 5".
… Dragoner-Brigade "von Wedell" als "Neumärkisches Dragoner-Regiment Nr. 6".
Zweiter Band: Die Infanterie
Dritter Band: Rest der Infanterie
Letzte Änderung 01.05.2026: Vorstellung "Erster Band: Die Cavallerie - Zweiter Teil: Die Dragoner"
Besuche seit dem 01. Dezember 2015
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